Geschichte

Der vaterländische Volkstag in Vindonissa, 1918

ZUR GESCHICHTE DER AVV
 

«An die Bevölkerung Aaraus und des Kanton Aargau
Die am 11. November 1918 gegründete Vereinigung vaterländisch Gesinnter (aller Berufsklassen und Stände) hat sofort überaus zahlreiche Beitrittserklärungen gefunden. Beinahe aus allen Gemeinden sind zustimmende Kundgebungen eingetroffen und ähnliche Organisationen gegründet worden, sodass die Verteidigung sich über das ganze Gebiet des Kantons Aargau erstreckt.

Sie betrachtet als ihr oberstes Ziel die Erhaltung des heutigen Staates, seiner demokratischen Einrichtungen und die Weiterentwicklung und den Ausbau der Verfassung unter vollkommener Erhaltung von Ruhe und Ordnung. Die Vereinigung erklärt politische Neutralität und bekämpft keine politische Partei oder Bevölkerungsklasse; sie rät von jeder Provokation ab.

Sie anerkennt die Notwendigkeit weitgehender wirtschaftlicher und sozialer Reformen und deren baldige und dringliche Durchführung. Entsprechend dem obersten Grundsatze einer jeden Demokratie müssen diese dem Entscheide des souveränen Volkes unterbreitet werden, dessen Mehrheitswillen man sich zu fügen hat.

Sie tritt jedem gewaltsamen Umsturz auf revolutionärem Boden entgegen und verlangt die unbedingte Anerkennung der persönlichen Freiheit jedes Einzelnen. In diesem Sinne steht sie entschlossen zur Unterstützung bereit hinter allen Behörden, welche die Ordnung aufrecht zu erhalten bestrebt sind.

Wer mit diesen Zielen einverstanden ist, schliesse sich unserer Vereinigung an.»

Dieser Text wurde 1918 auf Flugblätter im ganzen Kanton von Haus zu Haus verteilt und rief in einer Zeit, die von Unsicherheit und Gefahr geprägt war, alle heimattreuen Aargauer zu einer Landsgemeinde nach Vindonissa, um ihren Schwur auf das Vaterland zu erneuern.

Hintergrund war der drohende Generalstreik und der befürchtete, damit einhergende Einmarsch bolschewistischer Truppen in die Schweiz.

Ensprechend kämpferisch klingt die an dieser Zusammenkunft gefasste Resolution:
«Die im Amphitheater zu Vindonissa am 24. November 1918 trotz schlechter Zugverbindungen (viele Bahnangestellterbefanden sich bereits im Streik - Anm. d. Red.) über 12'000 Mann starke Versammlung vaterländisch gesinnter Bürger aus allen Ständen und Teilen des Kantons Aargau billigt die von der Bundesversammlung und dem Bundesrat gegen den gewaltsamen Umsturz geschaffenen Massnahmen. Sie verdankt die treue Haltung der Armee.

Sie verlangt strenges Vorgehen gegen alle Anstifter und gegen alle unsauberen fremden Elemente im Schweizerland. Sie erklärt sich jederzeit bereit, mit Gut und Blut für Verfassung und Recht einzustehen und erwartet gesetzliche Garantie gegen die Wiederholung der letzten Vorkommnisse.
Sie fordert Behörden und alle politischen Parteien auf, unverzüglich die Arbeit zur Hebung der wirtschaftlichen Not aller Kreise und zur Erfüllung der Forderungen der neuen Zeit auf verfassungsmässigem Wege auf zunehmen.»

Um dieser Bedrohung entgegenzutreten wurden in Absprache mit den Behörden bewaffnete Bürgerwehren aufgestellt. Doch glücklicherweise fand der Generalstreik nicht statt und auch die Invasion blieb aus. Ausser einem Hilfsdienst für Polizei und Feuerwehr während einer unbewilligten Kommunisten-Demonstration in Baden anno 1930 mussten die Wehrgruppen der AVV nie aktiv werden.

Das Augenmerk galt aber auch der vaterländischen Erziehung der Jugend. Mit der Stärkung des Kadettenunterrichts und der Einflussnahme auf die Lehrerschaft wurde bewirkt, dass Vaterlandsliebe und Wehrhaftigkeit auch in der jungen Generation zu Tugenden wurden.

Dass die AVV mit diesem Kurs richtig lag, bewies sich in den Jahren des bald darauf ausbrechenden 2. Weltkrieges. In denen die Vereinigung alles daran setzte, die Geschlossenheit von Bevölkerung und Regierung zu stärken und extreme Bestrebungen im Auge zu behalten. Ihr Kampf galt allen Umsturzversuchen und unschweizerischen, staatsfeindlichen Tendenzen.
In der heiklen Frage der Immigration stellte sich die AVV stets auf den Standpunkt des Bundesrates.